Schöne Familienfotos in den eigenen 4-Wänden – ein Ausflug in den manuellen Modus

manuelle Fotografie zu Hause

Augenblicke deines Familienlebens und das deiner Kinder in tollen Bildern festzuhalten, ist manchmal gar nicht so leicht.

  • Verwackelte Fotos, wegen zu flinker Kinder.
  • Krisselige Bilder, weil die Lichtverhältnisse nicht stimmen.
  • Der Hintergrund, mit löchrigen, aber gestochen scharf abgelichteten Socken auf der Kommode, statt deinem süßen Baby im Vordergrund, das jetzt nur noch verschwommen zu sehen ist.

Lifestyle-Fotografie zu Hause

Der Charme deines Lebensstils spiegelt sich in der Lifestyle-Fotografie wider. Nicht in allen Facetten, aber in jenen Momenten des alltäglichen Familien-Chaos, die deine Familie authentisch darstellen. In denen du jedoch den dreckigen Wäscheberg von Vorgestern oder den sich vor unerledigten Arbeitsunterlagen  biegenden Schreibtisch vor der Kamera verbirgst und ins Nirvana schickst. Du fängst das glückliche Funkeln und die echten Gefühle deiner Familie in vielen verschiedenen Situationen ein, so, wie du es dir vorstellst. Jetzt kannst du sagen, dass du das genauso gut und viel leichter mit dem Automatik-Modus deiner Kamera hin bekommst. Da hast du Recht, sogar mit deinem Smartphone kannst du heutezutage wunderbar wahre Familienmomente einfangen und festhalten. Doch du stößt schnell an die Grenzen des Machbaren und die äußeren Gegebenheiten müssen sich an deine Kamera anpassen. Das Licht sollte optimal sein, die Kinder sich möglichst wenig bewegen, deine Hand muss eine ruhige Hand sein und der automatische Fokus bestenfalls eine Gesichtserkennung haben.

Mit dem manuellen Modus hast du viel mehr Möglichkeiten, die Umstände für dich passend zu machen. Das ist kein Mysterium.

Manuelle Fotografie ist kein Mysterium

Du musst kein Technik-Genie sein und es ist auch nicht notwendig, alle 80.000+ Funktionen deiner Kamera auswendig zu lernen, um schöne Fotos zu machen.

Für deine Familien-Fotos reicht es, das Zusammenspiel von ISO, Blende und Verschlusszeit kennenzulernen und zu verstehen. Wenn du den Zusammenhang durch viel Ausprobieren verinnerlicht hast, kannst du deine Kinder spielend leicht beim Wett-Hüpen und Hopsen auf der Wohnzimmercouch fotografieren. Dann ist es fast egal, ob du im Gegenlicht fotografierst oder du die Abendsonne schon durch dein Küchenfenster scheinen siehst. Du wirst dich über Bilder freuen, die den Augenblick, so wie du ihn gerade siehst, Dauer schenken ohne weiter über das große „Wie?“ nachdenken zu müssen. Ohne mit x Bildern im Serien-Modus deinen Speicherplatz voll zu parken und ohne allzu viele verwackelte, überbelichtete oder unterbelichtete Patzer-Bilder auf der Speicherkarte zu beherbergen.

Es ist ein bisschen wie Fahrrad fahren lernen: Hast du dich erst mal in die Materie eingefuchst, weißt du genau, wie du dein Gleichgewicht halten kannst, während du dabei kräftig in die Pedalen trittst und gleichzeitig in die richtige Richtung lenkst: Dann kann dich niemand mehr davon abhalten neue Wege auszuprobieren und die Fahrrad-Welt steht dir offen.

Das Belichtungsdreieck

Um den manuellen Modus an deiner Kamera einzustellen, drehst du das Auswahlrad auf „M“. Hast du das Rad an die richtige Position gestellt, wird auch auf deinem Display angezeigt, dass du jetzt im manuellen Modus fotografierst. Jetzt hast du die Kontrolle.

Das Zusammenspiel aus ISO, Blende und Zeit nennt man auch Belichtungsdreieck. Für ein richtig belichtetes Foto brauchst du die richtige Menge an Licht, die du durch die optimale Kombination von ISO, Blende und Verschlusszeit bestimmst. Ich erkläre dir in Kurzform, was es mit den einzelnen Komponenten auf sich hat:

ISO

Fotografieren bedeutet mit Licht malen. Ohne Licht kein Foto. Die Frage nach dem Licht ist also essenziell für die Fotografie: 

  • Wo kommt es her?
  • Wie verändert es sich?
  • Welche Art von Licht möchte ich für meine Aufnahme?

In einer Wohnung und besonders für den Beginn deiner Fotografie-Karriere, ist es ratsam, so dicht wie möglich an einer natürlichen Lichtquelle zu sein, meist nah am Fenster. Beachte dabei: Je nach Tageszeit verändert sich das Licht und somit auch die Stimmung, die du mit deiner Kamera einfangen wirst.

Mit dem ISO-Wert, der Blende und der Zeiteinstellung kannst du exakt beeinflussen, wie viel Licht in die Kamera kommt. Je weniger Licht zur Verfügung steht, desto höher musst du den ISO-Wert einstellen. Wenn es sehr hell ist, du bei schönstem Sonnenschein auf deinem Balkon oder deiner Terrasse fotografierst, nimmst du eine kleine ISO-Zahl, zum Beispiel die 100. Befindest du dich mit deiner Familie in einem dunkleren Raum, hast du wenig Licht und stellst auf ISO 800 um. Wenn du dir nicht sicher bist, wo und wie du den ISO-Wert umstellen kannst, schau bitte in deinem Kamera-Handbuch nach.

Was du noch wissen solltest ist, dass um so höher der ISO-Wert eingestellt ist, um so krisseliger werden deine Bilder (versuch bestenfalls nicht über ISO 800 zu gehen). Um so niedriger, desto klarer und schärfer.

Probier mal aus,  wie verändert sich dein Bild

  1. bei gleichbleibenden Lichtverhältnissen und unterschiedlichen ISO-Zahlen?
  2. bei gleichbleibender ISO-Zahl in unterschiedlichen Lichtverhältnissen?

Blende

Zum besseren Verständnis, worum es sich bei der Funktion der Blende handelt, zeige ich dir hier zwei klassische Beispiele:

  1. Du möchtest mehrere deiner Familienmitglieder zusammen scharf auf einem Foto abbilden: Dann wählst du eine große Blendenzahl (geschlossene Blende).
  2. Du möchtest nur eine einzelne Person ablichten und gleichzeitig den Hintergrund verschwimmen lassen: Dann wählst du eine kleine Blendenzahl (offene Blende).

Bevor du also deine Blende einstellst, frage dich, was dein Hauptmotiv sein soll!

Denn auch, wenn du zwei oder mehr Kinder auf deinem Foto haben möchtest, kannst du dir überlegen, ob du eines, das vielleicht gerade besonders verträumt aus dem Fenster schaut, hervorheben möchtest. Wähle dafür ebenfalls eine kleine Blenendzahl und fokussiere dieses Kind an. Die übrigen Kinder im Schärfebereich verschwimmen damit leicht im Hintergrund.

Liegen die Motive nahe beieinander auf einer Ebene, kannst du auch wieder eine kleine Blendenzahl verwenden. Am Besten ist es, verschiedene Einstellungen zu wählen und auszuprobieren. Irgendwann weißt du ganz automatisch, welche Einstellungen du wählen musst, um dein Motiv so abzulichten, dass du damit glücklich bist.

Merke: Kleine Zahl, große Öffnung, viel Licht – Große Zahl, kleine Öffnung, wenig Licht

Wenn du also wieder am Fenster bei viel Licht, deine ganze Bagage ablichten möchtest, schließe die Blende (große Zahl). Im dunkleren Schlafzimmer, bei schlechten Lichtverhältnissen, hast du die Möglichkeit, deine Blende weit zu öffnen (kleine Blendenzahl). So lässt du genügend Licht auf den Sensor deiner Kamera, um ein gut belichtetes Ergebnis zu erhalten.

Die Blende ist damit eine der wichtigsten Einstellungsmöglichkeiten deiner Kamera. Wenn du das System verstanden hast, macht das Fotografieren gleich doppelt so viel Spaß! 

Verschlusszeit

Kurz und knapp:

  • Wenig Licht, lange Verschlusszeit, kleine Zahl – Viel Licht, kurze Veschlusszeit, große Zahl
  • Viel Bewegung, kurze Verschlusszeit, große Zahl – Wenig Bewegung, lange Verschlusszeit, kleine Zahl

Fotografierst du aus der Hand, empfehle ich dir eine Verschlusszeit von mindestens 1/60 Sek einzustellen. Je höher, desto besser werden deine Bilder und das ohne nervige Verwacklungen.

Nun kannst du dein Kind beim Hüpfen auf der Couch und beim Toben im Kinderzimmer einfach „einfrieren“, indem du eine kurze Verschlusszeit wählst.

Wie kommen ISO, Blende und Zeit zusammen?

Dazu brauchst du zusätzlich die Belichtungsskala. Wenn deine Kamera auf „M“ gestellt ist, schaust du durch den Sucher, klickst kurz den Auslöser an und siehst am unteren Rand eine Skala – die Belichtungsskala. Mit ihrer Hilfe kannst du mit ISO, Blende und Zeit die optimale Belichtung einstellen.

links: unterbelichtet                                                            mitte: korrekt belichtet                                                              rechts: überbelichtet

Hier ist wieder „learning by doing“ angesagt: Nimm dir deine Kamera, schau durch den Sucher und dreh einfach an den Rädchen von ISO & Co. Schau, was passiert. Kontrolliere ständig dein Display und ändere die ein oder andere Einstellung. Ziel ist es, den Zeiger der Belichtungsskaler auf „0“ – in die Mitte – zu bringen.

Geh dazu wie folgt vor:

  1. Schau dich um. Ist es ehr hell oder dunkel? Stell den ISO-Wert entsprechend ein.
  2. Soll der Hintergrund verschwimmen? Was soll scharf dargestellt werden? Blendenzahl einstellen.
  3. Bewegt sich dein Motiv? Stell die Verschlusszeit ein.

Üben, üben, üben

Nach etwas Übung wirst du ein Gefühl dafür bekommen und weißt intuitiv, welche Einstellungen du brauchst. Bisher ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Such dir zu Hause verschiedene Motive, fang mit Stillleben an und geh dann nach und nach zu anspruchsvolleren Aufgaben über. Lass deine Kamera griffbereit liegen. Richte nach dem Kochen das Essen schön an und mach ein Bild aus verschiedenen Perspektiven und mit unterschiedlichen Einstellungen. Lass deiner Kreativität freien Lauf. Fotografiere das bunte Gesteck auf dem Esstisch oder deinen Mann, der mit dem Kindern im Arm auf dem Sofa schläft. Es gibt in deinen eigenen 4-Wänden unzählige Möglichkeiten, sich im manuellen Modus auszuprobieren, ohne sich dabei stressen zu lassen.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Korrigieren, Üben, Lernen, Besser werden, Üben und umwerfenden Fotos machen.

Schreib mir gerne, wenn du noch Fragen hast oder erzähle mir von deinen Erfahrungen und Ergebnissen! Ich freue mich darauf.

Bis zum nächsten Artikel,

Tonia

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Margaretha

    OK, liebe Tonia, jetzt weiß ich mehr und muss mir mal meine uralt Kamera herausholen.
    Super, wie Du mir das erklärt hast.
    Aber ehrlich, für was gibt es einen Profi wie Dich? Na ja es kommt eben auf die Prioritäten an.
    Ganz liebe Grüße
    Margaretha

    1. Tonia

      Ja mach das unbedingt 😉 probiere einfach aus und wenn du dann noch Bilder brauchst , auf denen du auch mit zu sehen sein möchtest… dann rufst du mich…?
      Lieben Dank für deine Worte.

  2. Joanna Nawrot

    Schön verständlich geschrieben! Da bekomme auch ich wieder Lust auf meine Kamera von 1985 ?… zumindest aber auf Kunst-Fotografie mit Verstand ?

    1. Tonia

      Na dann mal los… schön, dass ich dich inspirieren könnte… 🙂

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